Peer Steinbrück
Bundesminister der Finanzen 2005-2009, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen 2002-2005
Peer Steinbrück war 2005 bis 2009 Bundesminister der Finanzen und stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender. Zuvor war der Diplom-Volkswirt 2000 bis 2005 NRW-Finanzminister und dann NRW-Ministerpräsident. Zur Bundestagswahl 2013 trat er als SPD-Kanzlerkandidat an. Seine letzte Rede im Bundestag hielt er am 29. September 2016. Er fungiert nun als Vorstands-Berater der ING-DiBa-Bank. Zusammen mit dem Kabarettisten Florian Schroeder gestaltet er auch ein erfolgreiches kabarettistisches Programm. Er ist Mitgründer der überparteilichen „Initiative für einen handlungsfähigen Staat”.
Steinbrück studierte Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft in Kiel (Christian-Albrechts-Universität). In der Wirtschaftskrise positioniert er sich deutlich: „Die Welt sieht nach der Krise anders aus als vorher. Die Zeit der Exzesse ist vorbei. Die Staatengemeinschaft wird Verkehrsregeln für die Finanzmärkte erlassen, endlich."
Nach dem Studium arbeitete er im Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (1974 - 1976), wechselte 1976 ins Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT), ehe er 1978 bis 1981 im Bundeskanzleramt wirkte.
1983 bis 1985 war er Referent der SPD-Fraktion des Bundestages, 1985 bis 1986 im Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft in NRW tätig. 1986 wurde er bis 1990 Büroleiter des NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau. Dann wechselte er als Staatssekretär nach Schleswig-Holstein, zunächst ins Ministerium für Natur, Umwelt und Landesentwicklung (bis 1992). Vom 19. Mai 1993 bis 28. Oktober 1998 war Steinbrück Minister für Wirtschaft, Technik und Verkehr in Schleswig-Holstein. Ab dem 28. Oktober 1998 leitete er das NRW-Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr, dann ab dem 22. Februar 2000 das NRW-Finanzministerium.
Steinbrück wird Durchsetzungsfähigkeit zugesprochen, Polarisierung weicht er nicht aus. Er kann einstecken, ohne sich zu beschweren und eine Situation schnell erfassen, zu ihrem Kern, möglichen Widersprüchen oder Fallstricken vordringen. Das betraf auch seine Position im Kabinett: „Sie können in einem solchen Kollegialorgan nicht immer martialisch als Ritter antreten, der alle bekämpft", erklärte Steinbrück. „Auch nicht als Haushalt- oder Finanzminister. Sie müssen gelegentlich Entwicklungen zulassen und ermöglichen."
Steinbrück analysiert schonungslos die Lage und zeigt Wege aus der Krise. Seine Botschaft ist eindeutig: Egal ob es um die Stärkung unserer Wirtschaft, die Stabilität sozialer Sicherungssysteme oder die Lage der Parteien geht, eine gute Zukunft hängt davon ab, dass Politik und Bürger sich eingestehen, welche Schnitte nötig sind, statt Tabus zu pflegen und mit unhaltbaren Versprechungen abzulenken. Nur wenn sich Politik von Grund auf wandelt und sich gegen den Primat der Ökonomie durchsetzt, wird sie Herausforderungen der Finanz- und Wirtschaftskrise meistern. Gelingt es nicht, Mut zur Ehrlichkeit aufzubringen, hätte dies unausweichlich negative Folgen für unser Wohlstandsniveau – und damit auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Im Sommersemester 2011 erhielt er die Gastprofessur für Politikmanagement der Stiftung Mercator (NRW-School of Governance, Universität Duisburg-Essen). Außerdem übernahm er 2011 eine Honorarprofessur für Öffentliche Finanzwirtschaft und internationale Finanzpolitik an der Universität Leipzig.