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Hauptreferentin Federica Mogherini, ehemalige italienische Außenministerin, Italiens Ministerin für internationale Zusammenarbeit und einstige EU-Außenbeauftragte, sowie der ehemalige deutsche Vizekanzler und Außenminister (1998 bis 2005) Joschka Fischer als Kommentator sprachen an der Freien Universität Berlin im Rahmen der ersten, englischen, öffentlich zugänglichen und von Prof. Dr. Tanja Börzel (lehrt Politikwissenschaft an der FU und ist Direktorin des Berlin Centers of European Studies) moderierten „Europaeum Annual Lecture“, zu der das 1992 an der University of Oxford gegründete europäische Hochschulnetzwerk „Europaeum“ (zwanzig renommierte Universitäten) eine Einladung ausgesprochen hatte.
Behandeltes Thema: Die neue globale Unordnung - Europas Zukunft in einer zersplitterten Welt.
Event-Hintergrund war, dass sich Nationalismus, Populismus und Autoritarismus schier unaufhaltsam ausbreiten. Der Vortrag von Mogherini lautete nicht umsonst: „The new global disorder: Europe’s future in a fracturing world“, sie griff die Vielzahl geopolitischer Challenges auf und analysierte die europäische Rolle in einer Welt, die auf multiple Art und Weise instabil ist.
Fischer bezog beim Event deutlich Position: „Ich bin sehr besorgt, dass unsere Zukunft extrem finster sein wird.“
Die globale Ordnung ist mehr als erschüttert, der EU werden bedeutungslose Zwistigkeiten konstatiert, dazu verschwendete Zeit. Fischer: „Diese Bla-bla-Institutionen – sie machen mich krank. Sie sind ein Zeichen von Schwäche. Wir Europäer sind den Herausforderungen nicht gewachsen.“
Eine schonungslose Bestandsaufnahme.
Aus dieser Auftaktveranstaltung wird eine jährliche Vortragsreihe, die immer, angelehnt an den Mauerfall, im November an einer Partneruniversität des Netzwerks angesetzt wird. Der Fokus liegt nicht nur auf einem europäischen Wissenschaftsdialog, sondern es sollen Impulse für mehr europäische Zusammenarbeit gesetzt werden.
Mogherini wirkte auch als Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik und Vizepräsidentin der Europäischen Kommission (2014 bis 2019), sie stand dem Rat der EU für Auswärtige Angelegenheiten vor und an der Spitze des Europäischen Auswärtigen Dienstes. Aktuell ist sie Rektorin des Europakollegs und Treuhänderin der International Crisis Group und Fellow des German Marshall Fund (seit 2020).
Fischer, 1994 bis 2006 Mitglied des Deutschen Bundestages, ist immer noch einer der prominentesten deutschen Politiker, dem sein intensives politisches Engagement einen beispiellos wechselvollen Werdegang bescherte. Der auch im Ausland hoch geachtete Politiker, erfolgreiche Autor, außergewöhnliche Rhetoriker und ehemalige Professor an der Woodrow Wilson School der Princeton University hat nach seiner politischen Karriere eine eigene Beraterfirma gegründet und ist inzwischen gefragter Gesprächspartner für verschiedene große Unternehmen.
Das Europaeum-Event wird medial beispielsweise durch den MERKUR (Joschka Fischer spricht über die größte Schwäche der EU) dokumentiert, durch die WELT und durch EURONEWS oder durch die BILD (Joschka Fischer teilt gegen EU aus).
Fischer wird auch zu Gast sein beim 11. Bamberger Literaturfestival (BAMLIT - 14. Januar bis 22. Mai 2026), dort wird dann auch sein neues Buch thematisiert: „Wer sind wir? Deutschland auf der Suche nach seiner Identität".
Nach dem ersten Viertel des 21. Jahrhunderts ist es unübersehbar – die Welt durchläuft umstürzende geopolitische, technologische und wirtschaftliche Transformationen: die verschärfte Rivalität großer Weltmächte, die Revolution der künstlichen Intelligenz, der Aufstieg des globalen Südens.
Was bedeutet das für das heutige Deutschland, für das Land in der Mitte Europas, immer noch die drittstärkste Industrienation weltweit, aufgrund seiner zerborstenen Geschichte aber postnational und als militärische Macht fast unsichtbar? Kann dies angesichts neuer militärischer Bedrohungen für Europa, angesichts des Rückzugs der USA als Garantiemacht und der Gefahr, technologisch und wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren, so bleiben? Das Geheimnis des Wiederaufstiegs Deutschlands nach 1945 war das Vertrauen, das die ehemaligen Kriegsgegner dem Land im Zentrum Europas entgegenbrachten.
Fischer zeigt in seinem Werk, was es heute bedeutet, diesem Vertrauen weiterhin gerecht zu werden und sich zugleich mutig den völlig neuen Bedrohungen des 21. Jahrhunderts zu stellen - militärisch, technologisch und politisch.
In Bamberg sind auch Prof. Julian Nida Rümelin (Aktuelles Buch: „Was Demokratie ausmacht - und wie sie aus der Krise kommt“), einer der renommiertesten deutschen Philosophen, der demokratischen Optimismus vorlebt und entsprechendes demokratisches Engagement einfordert, sowie auch Ulrich Wickert (Aktuelles Buch: „Der Raub im Tunnel: Ein Fall für Jacques Ricou“), Journalist, Bestsellerautor, ehemaliger ARD-Studioleiter New York und lange Chef-Moderator ARD-Tagesthemen, dabei.